Die Universität Klagenfurt erwägt eine vorübergehende Sistierung des Bachelor-Studiums Psychologie. ÖGP-Präsidentin Christiane Spiel sieht darin "einen sehr mutigen Schritt", bedauert aber die Nachteile für Studieninteressierte.
Unter dem Titel "Unis wollen Studenten loswerden" berichteten die
Salzburger Nachrichten am 9.7. auf
der Titelseite, die Universität Klagenfurt werde "für zwei Jahre den Zugang zum
überlaufenen Psychologiestudium sperren". Dadurch solle die Situation der Lehrenden
und der bereits Studierenden verbessert und die Studiendauer in einem vertretbaren Rahmen
gehalten werden; so die Argumentation der Klagenfurter Uni. Studierende und Lehrende am
betroffenen Instition unterstützen diese Vorgangsweise, und auch das
Wissenschaftsministerium hat sich den Presseberichten zufolge mit diesem Schritt
einverstanden erklärt. Allerdings muss der Senat der Universität Klagenfurt am
21.7. dieser Vorgangsweise noch zustimmen.
ÖGP-Präsidentin Christiane Spiel hat am 9.7. mit einer
Pressemitteilung auf diese
Entwicklungen reagiert: Sie sieht im Vorgehen der Klagenfurter "einen sehr mutigen
Schritt", um die Qualität von Forschung und Ausbildung zu sichern. Sie bedauert
jedoch andererseits, dass dadurch Studieninteressierte, die aus geographischen Gründen
oder wegen des Forschungs- und Lehrprofils an der Universität Klagenfurt Psychologie
studierenden wollen, dies in den beiden kommenden Jahren nicht tun können. Spiel
befürchtet auch eine "Kaskade von Verdrängungseffekten" in Richtung
anderer Standorte oder anderer Studien.
Den vollständigen Text der Pressemitteilung finden Sie
hier.
Offener Brief des ÖGP-Vorstands zur Qualitätssicherung der Ausbildung in Bachelor- und Masterprogrammen
Der Vorstands der ÖGP fordert in einem offenen Brief an die Rektoren und
facheinschlägigen VizerektorInnen der Universitäten, an denen Psychologie im Hauptfach
angeboten wird, die Sicherung von qualitätsvoller Lehre und adäquate
Rahmenbedingungen für Forschung im Bereich Psychologie an allen universitären
Standorten. Agesprochen wird insbesondere die leidvolle Thematik der Studierendenzahlen, die
im internationalen Vergleich viel zu hoch sind. Der Brief wurde auch an VertreterInnen der
Politik und der Medien ausgeschickt.
Den Text des Schreibens finden Sie hier:
Offener Brief.
Im Text wird auch auf curriculare Normwerte für BSc- und MSc-Studien verwiesen, die von E.
Erdfelder und A. Geisberger auf der Basis von Empfehlungen der Empfehlung der deutschen
Hochschulrektorenkonferenz errechnet und 2007 in der Psychologischen Rundschau
veröffentlich wurden. Diesen wichtigen ergänzenden Text können Sie ebenfalls
hier abrufen:
Erdfelder & Geisberger (2007).
ÖGP-Präsidentin Christiane Spiel ausgezeichnet
ÖGP-Präsidentin Christiane Spiel wurde mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurden bei der Verleihung am 1. Juni 2010 ihre Leistungen als Begründerin der wissenschaftlichen Disziplin Bildungspsychologie und als Pionierin im Bereich Translational Research. Ein ausführlicher Bericht ist in der Homepage der Universität Wien erschienen: Direktlink.
Psychologiestudierende besetzen das Rektorat der Uni Klagenfurt
An der Universität Klagenfurt haben Psychologiestudierende am 26.5.2010 das Rektorat besetzt, um auf
die unhaltbare Betreuungssituation hinzuweisen. Ein entsprechender Bericht ist
im ORF erschienen: ORF-Bericht.
Weitere Berichte finden sich in den Online-Ausgaben der Printmedien, etwa im
Standard
und in der "Presse".
"Der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie hat großes Verständnis für die Psychologie Studierenden in Klagenfurt, die derzeit das Rektorat ihrer Universität besetzt halten. Die Betreuungsrelation von Lehrenden zu Studierenden in Psychologie ist in Österreich seit vielen Jahren katastrophal. Daran hat auch das von der Politik zugestandene Auswahlverfahren leider nichts Wesentliches geändert, da die Studierendenzahlen per Gesetz auf im internationalen Vergleich viel zu hohem Niveau festgelegt wurden. Es ist wohl eine sehr kritische Situation, wenn Studierende für die Qualität ihrer Ausbildung protestieren müssen. Diese Situation ist auch für die Lehrenden an allen Standorten unzumutbar und beeinträchtigt nicht nur die Lehre sondern auch die Forschung massiv.
Daher unterstützt der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie die Forderungen der Psychologie Studierenden in Klagenfurt und deren Institutsvertreter/innen nachdrücklich. Österreich wäre gut beraten, die Hochschulpolitik und ihre Finanzierung als zentrales Zukunftsthema zu sehen."